Lexikon Genres und Themenbereiche der Fotografie

 

Aktfotografie

Als Aktfotografie bezeichnet man ein Genre der künstlerischen Fotografie, dessen Thema die Darstellung des nackten (Vollakt) oder teilweise nackten (Halbakt) menschlichen Körpers ist. Es stellt somit die Umsetzung des künstlerischen Aktes mit den technischen Mitteln der Fotografie dar.

Geschichte und Entwicklung

Der Akt ist ein klassisches Motiv in der bildenden Kunst; bereits die frühen Hochkulturen (Sumer, Ägypten, Kreta, Indien unter anderem) kennen Aktdarstellungen. Die Entwicklung lässt sich weiter verfolgen über die griechische Plastik, mit Einschränkungen auch durch die Kunst des Mittelalters bis in die europäische Kunst der Neuzeit. Seit der Renaissance gehört das Studium des menschlichen Körpers zur Ausbildung an Kunstakademien.

Die extrem langen Belichtungszeiten in den ersten Jahren der Fotografie, in der Regel zwischen 10 bis 30 Minuten, machten Fotografien von Menschen zu einem schwierigen, wenn nicht gar unmöglichen Unterfangen. Erst die Entwicklung lichtempfindlicherer Platten und verbesserter Objektive ermöglichte Portraitaufnahmen allgemein und Akte im Besonderen.

Die ersten Daguerreotypien mit erotischen Darstellungen dürften etwa um 1845 bei Pariser Händlern aufgetaucht sein. Sie waren Unikate und wurden häufig entsprechend dem Zeitgeschmack handkoloriert. Zu den ersten Aktfotografen zählen beispielsweise Philippe Derussy, E. Delacroix, Eugène Durieu und B. Braquehais. Meistens zogen die Fotografen jedoch die Anonymität vor, ihre Arbeiten wurden „unterm Ladentisch“ gehandelt, um nicht ins Visier von Polizei und Justiz zu geraten. Wer trotzdem „erwischt“ wurde, wie der Pariser Fotograf Felix-Jaques-Antoine Moulin, musste mit empfindlichen Geld- und Gefängnisstrafen rechnen. Ihre Modelle fanden sie bei für Maler und Akademien arbeitenden Professionellen, den Tänzerinnen der Varietés oder auch bei den Prostituierten.

Künstlerische Aktfotografien waren vor 1860 eher selten. Um den Wünschen ihrer Kunden zu entsprechen, stellten die Fotografen meistens „pikante“, oft auch ziemlich „deftige“ Aktbilder her, die jedoch den Unwillen der Moral- und Gesetzeshüter erregten. In den 1920er Jahren erschlossen reformistische, freiheitliche Bewegungen in Deutschland, die sich schon vor dem Ersten Weltkrieg bemerkbar gemacht hatten, auch der Aktfotografie neue Themenfelder. Neue Motive fanden Fotografen wie Gerhard Riebicke in der Freikörperkultur, die ebenso wie der Schönheits- und Ausdruckstanz mit einem neuen Körpergefühl und einem anderen Umgang mit Nacktheit experimentierte.

Der gesellschaftliche Dissens zu Fragen von Sitte und Moral war damit aber nicht aufgelöst. Entsprechend zwiespältig war die Rolle der Aktfotografie im Nationalsozialismus. Die Nazis duldeten nur solche Arbeiten, die, wie solche von Leni Riefenstahl, ihrem ideologischen Rassenwahn dienstbar gemacht werden konnten und ihren Vorstellungen von „Volkshygiene“ nicht zuwider liefen.

Subgenres und Sujets

Aktfotografie bietet drei grundlegende Darstellungsformen des Aktes:
  • Den „klassischen“ Vollakt (einfacher Hintergrund, Vollakt, Modell ist vollständig nackt),
  • die Darstellung von Detailansichten (Details des Körpers, abstrahierend und anonymisierend, Betonung auf Formen und Strukturen, Nahaufnahme),
  • sowie den Halbakt (Modell ist teilweise bekleidet oder teilweise durch Accessoires verhüllt).

Neben diesen drei Grundformen hat sich die Aktfotografie in zahlreiche Sub-Genres oder Sujets mit verschiedenen, teilweise spezifischen, Techniken aufgefächert. Dazu gehören beispielsweise:

  • High-Key- und Low-Key-Aufnahmen
  • Männerakt
  • Mädchenakt
  • Körperbemalung und -projektion
  • Outdoor-Akt
  • Studioakt

Aktfotografie und Recht

Die Grenzen zwischen Aktfotografie und erotischer Fotografie sind fließend, den subjektiven Moralvorstellungen des Einzelnen und den jeweiligen kulturellen Vorstellungen von „guten Sitten“ unterworfen.

Zur Pornografie lässt sich die Aktfotografie anhand der Definition jener abgrenzen: eine Darstellung wird heute nach deutschem Recht als pornografisch bezeichnet, wenn sie unter Hintenansetzen sonstiger menschlicher Bezüge sexuelle Vorgänge in grob aufdringlicher, anreißerischer Weise in den Vordergrund rückt, und wenn ihre objektive Gesamttendenz ausschließlich oder überwiegend zur Aufreizung des Sexualtriebs abzielt (Stefen, 1989). Das deutsche Strafgesetzbuch (StGB) beinhaltet ein Totalverbot bestimmter pornografischer Schriften, die als sozialschädlich eingestuft werden (§ 184 Abs. 3).
Aktfotografien beabsichtigen hingegen nicht primär eine sexuelle Erregung und sind neben einem ästhetischen und handwerklichen Anspruch auch durch menschliche Achtung gekennzeichnet.

Andererseits schützt das deutsche Grundgesetz explizit die Kunst: Die Kunst ist frei; die Freiheit der Kunst ist in Art. 5 Abs. 3 GG ohne Vorbehalt gewährleistet. Der Kunstbegriff ist nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts nicht auf ein bestimmtes Niveau und daher auch nicht auf „wertvolle“ oder gar klassische Kunst beschränkt (Beschluss vom 3. Juni 1987, Az: 1 BvR 313/85, BVerfGE 75, 369). Die Abwägung zwischen Kunstschutz und anderen durch die Verfassung geschützten Rechtsgütern, beispielsweise Jugendschutz, beschäftigt regelmäßig die Gerichte, so beispielsweise im Juni 1990 im Fall Opus Pistorum.

Der Jugendschutz ist daher ein Problemfeld Sexualität darstellender Fotografie. Das Verbot (Indizierung) für Jugendliche unter 18 Jahren ist in Deutschland und anderen demokratischen Staaten nur im Rahmen einer Nachzensur möglich und kommt bei Aktfotografien kaum vor - häufiger müssen jedoch zum Beispiel in der Werbung oder in Zeitschriften verwendete Aktfotografien oder Akt-Darstellungen in anderen, weniger liberalen Ländern im Rahmen einer Vorzensur entfernt oder modifiziert werden.

Aktfotografie und Moralvorstellungen

„Weibliche Nacktheit muss man den Männern mit dem Teelöffel geben, nicht mit der Schöpfkelle“

Coco Chanel

Ob es sich bei einem Bild um Kunst, Kitsch oder gar Provokation handelt, liegt immer im Auge des Betrachters. Eine (ebenfalls subjektive) Definition von Günter Rinnhofer: „Ein Aktfoto ist dann gut, wenn das Modell es beim Geburtstag der Großmutter am Kaffeetisch rumzeigt und die Anwesenden es gut finden.“

Andere Definitionen sind weitaus kontroverser:

  • So ging es Horst Werner immer um die Provokation, um das Hervorrufen von Emotionen: Ihm war Abscheu oder Verstörung (zum Beispiel Akt auf einem Friedhof, Akte von Behinderten) lieber als Gleichgültigkeit.
  • Die Arbeiten von Jeff Koons bewegen sich zwischen Kitsch und Pornografie.
  • Fotografen wie Joel-Peter Witkin rufen mit ihren Arbeiten starke Emotionen bis hin zu Abscheu hervor.
  • Nan Goldin zeigt mit ihren Aktfotografien innere Ängste und Zwänge auf.
  • Bettina Rheims schockiert mit ihrer Direktheit.
  • Aktfotografien von Petter Hegre bewegen sich an der Grenze zur Pornografie.
  • Natacha Merritt exhibitionierte sich mit ihren Digital Diaries, indem sie sich bei sexuellen Handlungen mit sich selbst und verschiedenen Männern und Frauen fotografiert hat.
  • Henning von Berg möchte mit seinen Spaß-Happenings in der Öffentlichkeit bewusst provozieren und dadurch zum Nachdenken anregen (Quelle: Naked city German photographer Henning von Berg captures the bare urban essentials of Berlin, Sydney - and now Montreal).
  • Terry Richardson macht überhaupt keine Unterschiede mehr zwischen Akt-, Porno-, Kunst- und Modeaufnahmen. Er begibt sich oft selbst als Protagonist in seine Fotos.

Abgrenzung zu anderen Genres

Die Bestimmung des ästhetischen Wertes einer Aktfotografie und die Abgrenzung der Aktfotografie von der erotischen Fotografie ist intersubjektiv nur schwer zu leisten, darüber hinaus gibt es Überschneidungen mit der Pornografie - im Gegensatz zur Pornografie verfolgt die Aktfotografie jedoch nicht das Ziel, den Betrachter sexuell zu erregen. Das schließt natürlich nicht aus, dass Aktfotos auch aus diesem Grund betrachtet werden.

Aktfotografie und erotische Fotografie stehen immer im Spannungsfeld zwischen künstlerischer Freiheit, Ästhetik, Kitsch, Provokation und dem Verstoß gegen die „guten Sitten“ oder die Sexualmoral.

Die Aktfotografie gilt, neben der Portraitfotografie, als hohe Schule der Fotografie; neben technischen Fertigkeiten und einem gekonnten Umgang mit dem Licht als Gestaltungsmittel muss der Aktfotograf auch kommunikative Fähigkeiten mitbringen und eine positive Beziehung zu seinem Model aufbauen können. Üblicherweise wird zwischen Fotograf und Model ein Modelvertrag abgeschlossen, in dem neben Honorar Veröffentlichungsrechte und Anderes geregelt werden.

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Arbeiterfotografie

Arbeiterfotografie ist ein Teilbereich der sozialdokumentarischen Fotografie, die innerhalb der Arbeiterbewegung entstand.

Die sozialdokumentarische Fotografie entwickelte sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und kann als Vorläufer und Anregung für die Arbeiterfotografie angesehen werden. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen der „arbeitenden Klasse“ waren erstmalig in der unter anderem von Henry Mayheur und John Brinny herausgegebenen Veröffentlichung „London Labour And The London Poor“ (Arbeit und Armut in London) Gegenstand der Fotografie (in Form von auf Fotografien beruhenden Zeichnungen).
Weitere wichtige Vorläufer und sozialdokumentarische Fotografen waren Jacob August Riis, der 1890 die Lebensbedingungen von Arbeits- und Obdachlosen in New York dokumentierte („How The Other Half Lives“; Wie die andere Hälfte lebt), und die Fotografen der Farm Security Association (FSA), u. a. Dorothea Lange und Walker Evans mit ihrer Dokumentation des amerikanischen Farmsterbens während der Depression gegen Ende der 1920er. In Deutschland ist insbesondere August Sander der Fotograf, der mit seinem Werk „Menschen des 20. Jahrhunderts“ den Blick auf das Soziale richtete.

Diese Fotografinnen und Fotografen widmeten sich den Lebens- und Arbeitsbedingungen von kleinen Handwerkern, Arbeitern und sozialen Randgruppen von außen. Die Bewegung der Arbeiterfotografen erhielt von diesen und anderen fotografischen Projekten Anregungen und bezog sich vielfach auf solche Beispiele in Form und Inhalt. Sie entstand jedoch als Teil der Arbeiterbewegung (nicht nur in Deutschland). Arbeiterfotografen waren und sind politisch und sozial engagierte Amateur-Fotografen, die aus der Perspektive Betroffener arbeiten. Arbeiterfotografen dokumentierten während der Weimarer Republik die eigene soziale Lage und verstanden die Fotografie als „Waffe“ zur Veränderung der Gesellschaft.
Die Mehrheit der Arbeiterfotografen der Weimarer Republik blieb anonym. Walter Ballhause, der nicht der Organisation der Arbeiterfotografen angehörte, ist in den 1970er Jahren als ein Fotograf bekannt geworden, der im Sinne der Arbeiterfotografie sozialdokumentarisch fotografierte.

Arbeiterfotografie in der Weimarer Republik

Die Entwicklung der Arbeiterfotografie in Deutschland ist eng verbunden mit der Geschichte der Arbeiterbewegung, insbesondere der der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Die Arbeiterfotografie war ein Instrument der Öffentlichkeitsarbeit und Propaganda.

Angesichts sinkender Auflagen der Parteipresse leitete der X. Parteitag der KPD 1926 ebenso wie die im selben Jahre durchgeführte Reichs- Agitprop-Konferenz eine Veränderung der Medienpolitik der KPD ein (vornehmlich bezogen auf das Parteiorgan „ Die Rote Fahne“). Die Reichs- Agitprop-Konferenz forderte die Redaktionen zu einer stärkeren Bildberichterstattung auf. Stellten Arbeiter-Korrespondenten die Verbindung zwischen der Parteizeitung und der lokalen Parteiarbeit sowie den Arbeitskämpfen vor Ort mit Berichten sicher, wurden Arbeiterfotografen zu Bildchronisten von Partei und Gesellschaft aus sozialistischer Sicht. Vor diesem Hintergrund lieferte die im kommunistischen Münzenberg-Konzern herausgegebene Arbeiter-Illustrierte-Zeitung (AIZ) einen wichtigen Impuls zur Entwicklung der Arbeiter-Fotografen-Bewegung. Sie rief am 25. März 1926 zu einem fotografischen Wettbewerb auf. Damit sollte die Abhängigkeit von bürgerlichen Bildagenturen verringert und Bildmaterial gewonnen werden, das der parteilichen Berichterstattung näher stand.
In der Folge des AIZ-Wettbewerbs gründete sich im selben Jahr in Berlin die „Zentralstelle der Arbeiter-Amateur-Fotografen“. Weitere Ortsgruppen entstanden rasch in anderen Städten und im September 1926 gründete sich ein Reichsausschuss der Arbeiter-Fotografen Deutschlands. 1927 entstand schließlich die „Vereinigung der Arbeiter-Fotografen Deutschlands“ (VdAFD) mit 25 Ortsgruppen. Die Verbindung zur KPD, die den Aufbau der Organisation nachhaltig mit betrieben hatte, blieb eng. Allerdings war die Mitgliedschaft offen für jeden, der sich dem Sozialismus verpflichtet fühlte. – Neben dieser neuen Bewegung politisch engagierter Amateur-Fotografen im Rahmen der Arbeiterbewegung existierten weiterhin die Fotogruppen der Naturfreunde-Organisation.
Die Arbeiter-Fotografen entwickelten ein reges Vereinsleben, schufen Dunkelkammern, boten Fort- und Ausbildung in fotografischen Techniken und fotografierten für die kommunistische und Gewerkschaftspresse, die Zeitungen der Sozialdemokratie, die der Arbeitersportorganisationen und den „Naturfreund“, dem Organ der Naturfreunde. Im Interesse einer wirksamen Berichterstattung waren viele Ortsgruppen des VdAF arbeitsteilig nach dem Vorbild professioneller Bildagenturen organisiert, so dass sie zeitnah berichten konnten. Neben einzelnen Artikel illustrierenden Aufnahmen entstanden zunehmend Reportagen. Die insbesondere von der russischen Avantgarde eingeführten Montagen, in der AIZ auf hohem Niveau praktiziert von John Heartfield, wurden gleichermaßen ein beliebtes Ausdrucksmittel. Vereinzelt entstanden auch Filme. Daneben kam es zu einer lebhaften Ausstellungspraxis. Eine hervorragende Bedeutung für die Entwicklung der Organisation hatte die im Jahre 1926 als Mitteilungsblatt gegründete Zeitschrift „Der Arbeiter-Fotograf“, welche ab 1929 von Eugen Heilig geleitet wurde.

1929 gehörten dem VdAF 1.480 Mitglieder an. Der Arbeiter-Fotograf erzielte eine Auflage von 7.000 Exemplaren. 1931, zur III. Reichskonferenz des VdAF, waren schließlich in rund 100 Ortsgruppen 2.312 Mitglieder organisiert. Ende 1932 gehörten 125 Gruppen dem VdAF an.

Im Jahre 1930 unternahm die SPD zusammen mit den Naturfreunden Anstrengungen, eine eigene Amateur-Fotografen-Organisation ins Leben zu rufen. Hierzu wurde u. a. die Zeitschrift „Das neue Bild“ herausgegeben. Diese Bemühungen hatten allerdings keinen langfristigen Erfolg.

Nach der Wahl Adolf Hitlers zum Reichskanzler, der schnellen Gleichschaltung aller gesellschaftlichen Organisationen und Medien, der Verfolgung von Kommunisten, Gewerkschaftern und Sozialdemokraten, konnten die organisierten Arbeiter-Fotografen ihre Praxis in der Illegalität nur kurz fortsetzen.

Die Praxis der Arbeiter-Fotografie war in der Zeit zwischen den Weltkriegen nicht allein ein deutsches Phänomen. Neben einer breiten Arbeiter-Fotografen-Bewegung in der damaligen Sowjetunion/UdSSR, existierten vergleichbare Organisationen z.B. in der Tschechoslowakei, Frankreich, den Niederlanden, Österreich und den USA. Diese kooperierten im „Internationalen Büro der Arbeiterfotografen aller Länder“. Die deutschen Arbeiter-Fotografen arbeiteten besonders eng mit der sowjetischen Bewegung, den „Allrussischen Arbeiter-Fotografen-Clubs“, zusammen und tauschten Fotografien für ihre jeweiligen Zeitschriften aus (in der UdSSR: „Rabotschaja Gaseta“ und „Sovetsko Foto“). Aus dieser Kooperation entstand die „Unionfoto G.m.b.H., eine Bildagentur, hinter der Russ-Foto (eine sowjetische Foto-Agentur), die sowjetische Arbeiterfotografen-Organisation und Verlage der UdSSR standen.

In der Folge der 1968er-Bewegung wuchs ein neues Bewusstsein für die Traditionen und Errungenschaften der Arbeiterbewegung. Parallel wurde die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) 1968 gegründet, die sich ausdrücklich auf die Tradition der Arbeiterbewegung berief. In diesem Zusammenhang kam es ab 1972 zur Gründung von Arbeiter-Fotografie-Gruppen, 1972 in Hamburg, 1973 in Köln usw. Es entstand eine Vielzahl von lokalen Gruppen, die u. a. der DKP und ihrer Zeitung „Unsere Zeit“ (UZ) verbunden waren. Diese Gruppen arbeiteten im Wesentlichen projekt-orientiert zu lokalen gesellschaftlichen Problemen, zu Arbeitskämpfen, Arbeits- und Lebensbedingungen, begleiteten fotografisch die Aktivitäten von Bürgerinitiativen und organisierten Ausstellungen (u. a. regelmäßig auf den Pressefesten der UZ). Seit 1973 erscheint die Zeitschrift Arbeiterfotografie. Heute ( 2005) existieren in Deutschland immer noch mehrere dieser Gruppen politisch engagierter Fotografen.

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Architekturfotografie

Die Architekturfotografie beschäftigt sich mit der fotografischen Abbildung von Architektur. In der Entwurfs- und Planungsphase umfasst dies die Fotografie von Modellen zur Darstellung des geplanten Bauvorhabens. In der Ausführungsphase wird der Entstehungsprozess eines Bauwerks auf der Baustelle dokumentiert. Nach der Fertigstellung wird das Bauwerk in seinem aktuellen Zustand dokumentiert. Architekturfotografie steht in einer engen Beziehung zu den Genres der Sachfotografie, Industriefotografie und Landschaftsfotografie.

Methoden

Die Sichtweise der Architekturfotografie ist traditionell von der Zeichnung abgeleitet. Die dabei angewandte Zentralperspektive geht dabei zumeist vom Standpunkt eines menschlichen Beobachters, der sich in der Umgebung des Bauwerkes bewegt oder einer erhöhte Position ( Vogelperspektive) aus.

Die Umsetzung der Sichtweise der Planzeichnung in die fotografische Abbildung stößt auf einige Probleme:

  • Übliche Optiken weisen optische Fehler im Sinne kissen- und tonnenförmiger Verzeichnungen auf. Obwohl derartige Abbildungen durchaus reizvoll sein können (z. B. beim Fisheye-Objektiv), sind diese zumeist als billiger Effekt unerwünscht oder bei der photogrammetrischen Arbeit (zur Vermessung von Bauwerken) störend. Verzeichnungs„freie“ Objektive sind besonders im Weitwinkelbereich bei Spiegelreflexkameras schwer herzustellen, da diese, bedingt durch den Freiraum des Schwingspiegel nicht symmetrisch aufgebaut sondern retrofokussierend, sind.
    Diese optischen Fehler können entweder durch eine exakte Berechnung der Optiken, beim analogen Vergrößerungsprozess oder durch Mittel der elektronischen Bildbearbeitung korrigiert werden.
  • Wenn die Film-Ebene nicht parallel zu den vertikalen und/oder horizontalen Linien des Gebäudes liegt, werden diese „stürzen“ und/oder „fluchten“. Bei vertikalen Linien entsteht dadurch der Eindruck, dass das Bauwerk nach hinten kippt. Übliche Kleinbild- und Mittelformat Kameras mit fixen Objektiven müssen zur Vermeidung dieser Effekte exakt horizontal gehalten werden. Dies schränkt die Gestaltungsmöglichkeiten ein. Abhilfe schaffen Shift-Objektive, die Verstellmöglichkeiten der Großformatkamera bzw. Fachkamera oder die Entzerrung mit der elektronischen Bildbearbeitung.
  • In vielen Fällen ist eine scharfe Abbildung des gesamten Objektes, oder von Flächen, die nicht parallel zur Filmebene liegen erforderlich. Wege dazu sind ausreichendes Abblenden und die Verstellmöglichkeiten von Tilt-Objektiven, der Großformatkamera bzw. Fachkamera.
  • Oft ist eine detailreiche und kornarme Abbildung erwünscht. Dazu sind große Filmformate erforderlich.

Neben der künstlerisch-dokumentarischen Abbildung von Bauwerken kommt dem Einsatz fotografischer Methoden bei der Vermessung Bedeutung bei. Insbesondere ist durch stereoskopischen Aufnahmen eine räumliche Vermessung möglich.

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Astrofotografie

Die Astrofotografie umfasst jene Methoden der Fotografie, mit denen die Himmelskörper des sichtbaren Universums abgebildet und dauerhaft auf verschiedenen Medien (fotografisch oder elektronisch) gepeichert werden.

Mit ihrer Hilfe kann man auch Objekte darstellen, die zu lichtschwach für visuelle Beobachtung sind. Fotografische Filme oder Bildsensoren haben im Gegensatz zum Auge die Eigenschaft, die Wirkung des Lichts während langer Belichtungszeiten sammeln zu können. Die Objekte der Astrofotografie reichen von den Körpern des Sonnensystems über Objekte in unserer Milchstraße (Sterne, Sternhaufen, Nebel) bis zu Galaxien und Galaxienhaufen.

Wichtige Aufgaben der Astrofotografie

Die Spezialkameras der Astronomie werden Astrografen genannt. Sie ermöglichen es, auf Fotoplatten große Felder des Sternhimmels zu erfassen und

  • astrometrische Positionsbestimmungen durchzuführen (Sternörter, Eigenbewegungen),
  • die Helligkeiten vieler Sterne exakt auszumessen,
  • oder die Spektren von Sternen und anderen Objekten zu untersuchen (Spektrografie).
  • Durch eine verlässliche Archivierung können auch nach Jahrzehnten neu entdeckte Himmelskörper aufgefunden und Phänomene erneut ausgemessen werden.

Über eines der weltweit größten Fotoplatten-Archive verfügt die von Cuno Hoffmeister gegründete Sternwarte in Sonneberg. Es umfasst über 277.000 Himmelsaufnahmen, die das astronomische Geschehen im Bereich der nördlichen Milchstraße über nahezu 70 Jahre dokumentieren und auf denen bisher mehr als 11.000 veränderliche Sterne entdeckt wurden.

1948 wurde auf dem Mount Palomar die 48-Zoll-Schmidt-Kamera (heute Oschin Telescope genannt) in Betrieb genommen. Mit diesem Gerät wurde der POSS (Palomar Sky Survey) durchgeführt, die wohl wichtigste Himmelsdurchmusterung des 20. Jahrhunderts.

Das Archiv des Harvard-College-Observatoriums umfasst über 500.000 astrofotografische Platten aus der Zeit von 1885 bis 1989. 1965 begann dort mit dem Harvard Sky Patrol Program ein Vorhaben, für das Sonneberg das Vorbild darstellte: eine möglichst lückenlose Dokumentation der Veränderungen am Sternhimmel. Für diesen Zweck wurden sechs eigens hierfür konstruierte Astrografen (nach dem Sponsor „Damon-Cameras“ genannt) eingesetzt, die auf 20x25-cm-Platten 30x40° Gesichtsfeld in drei definierten Farben erfassten. Das Ziel war, über Jahrzehnte hinweg einheitliche und damit vergleichbare Aufnahmen zu gewinnen und zu archivieren. Dieses Programm wurde im Jahr 1989 abgebrochen.

Die Astrofotografie stellt hohe Anforderungen an die Optik sowie (angesichts der im Allgemeinen langen Belichtungszeiten) an den Teleskopantrieb. Werden diese erfüllt – heute meist mit elektronischer Steuerung – so lassen sich lang belichtete Aufnahmen extrem lichtschwacher Objekte, wie ferne Galaxien oder feine Gasnebel, gewinnen. fast alle dieser Objekte wären ohne die Astrofotografie unsichtbar, da sie zu schwach leuchten um von unserem Auge wahrgenommen zu werden.

Bereits Monate vor der Veröffentlichung seines fotografischen Verfahrens (1838) soll Louis Daguerre eine Aufnahme vom Mond gemacht haben – dies wäre die erste Astrofotografie der Welt. 1840 fotografierte John William Draper den Mond, 1843 nahm er das erste Spektrogramm der Sonne auf. Im April 1845 gelang Leon Foucault und Armand Fizeau das erste Sonnenfoto; auf ihrer Daguerreotypie mit 12 cm Durchmesser waren Sonnenflecken klar erkennbar.

1850 wurde am Harvard College Observatory von John Adams Whipple erstmals ein Fixstern – die Vega – aufgenommen; die Montierung des verwendeten Teleskops war jedoch für die Belichtungszeit von 100 Sekunden nicht präzise genug. Nach Verbesserungen gelang 1857 eine gute Aufnahme des Doppelsternsystems Alkor und Mizar – nunmehr mittels Kollodiumplatte – die sich zu einer präzisen Bestimmung der relativen Positionen nutzen ließ. Bei der Sonnenfinsternis im Juli 1860 konnte mittels fotografischer Aufnahmen die Frage geklärt werden, ob Protuberanzen tatsächlich Sonnenausbrüche darstellen. 1872 konnte Henry Draper das erste Spektrum eines Fixsterns – wiederum war es die Vega – aufzeichnen. Pierre Janssen machte 1874 Fotos vom Venus-Durchgang; auf seinen Aufnahmen war erstmals die Granulation der Sonnenoberfläche zu erkennen. Am 22. Dezember 1891 fand Max Wolf als erster Astronom einen Kleinplaneten mit fotografischen Methoden.

1880 gelang Henry Draper erstmals eine Aufnahme (Bromsilber) von einem Gasnebel in der Milchstraße: es war der Orionnebel. 1884 folgte mit dem Andromedanebel (A. A. Common) die erste Galaxie; 15 Jahre später nahm Julius Scheiner in Potsdam das erste Spektrum dieses Objektes auf.

Mit der ständigen Verbesserung des Aufnahmematerials gewann der Gedanke an Boden, Himmelsatlanten mittels Astrofotografie zu erstellen. Damit würde man die Grenzhelligkeit, die etwa bei der Bonner Durchmusterung noch 9 bis 9,5 Größenklassen betragen hatte) erheblich steigern können. Das umfangreichste dieser Vorhaben war die Carte du Ciel unter der Führung des Observatoriums von Paris, das um 1880 begonnen, aber nicht zu Ende geführt wurde.

1905 nahm Edward Emerson Barnard auf dem Mount-Wilson-Observatorium in Kalifornien (noch vor der Fertigstellung des 60-Zoll-Spiegels) 480 Fotos von Milchstraßenregionen auf, die unser Verständnis vom Aufbau der Milchstraße revolutionierten. Die Aufnahmen, die knapp 20 Jahre später mit dem 100-Zoll-Teleskop von den Außenbezirken des Andromedanebels gemacht wurden, revolutionierten dann unsere Vorstellung von der Struktur des Kosmos.

Durch die Verfügbarkeit immer größerer CCDs haben Fotoplatten (auch weil ihre Produktion ausläuft) in der Astronomie seit dem letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts keine praktische Bedeutung mehr.

Amateurastrofotografie

In der Amateurastronomie werden neben analogen Spiegelreflexkameras auch digitale Kameras (meist auf CMOS-Basis), CCD-Kameras, spezielle Videokameras und häufig auch Webcams eingesetzt.

Astrofotografie ist bereits mit einer einfachen, ruhenden Kamera möglich. Damit bei derartigen Aufnahmen keine Strichspuraufnahmen entstehen, gilt – bei mittlerer Deklination – als Faustformel für die maximale Belichtungszeit (t) in Sekunden:

{ t } = {{420} \over {Objektivbrennweite}}

Die Amateurastrofotografie kann nahtlos in die Nachtfotografie übergehen, wenn Himmelsobjekte mit einem Hintergrund fotografiert werden, was ästhetisch sehr ansprechende Bilder liefern kann.

Aufnahme der Sonne mit Sonnenflecken am 7. Juni 1992
 

Die Fotografie der Sonne stellt einen Sonderfall der Astrophotographie dar, denn bei diesem Motiv hat man meistens zu viel Licht zur Verfügung. Man benötigt fast immer einen Filter. Ausnahmen sind:

Hierfür werden entweder mit Aluminium bedampfte Mylarfolien vor dem Objektiv angebracht oder es werden fotografische Filter mit der optischen Dichte ND5,0 oder ND6,0 (99,999 bzw 99,9999 % Absorption) verwendet. Da die letztgenannten Filter unsichtbare Infrarot- und UV-Strahlen nicht ausreichend unterdrücken, sollte man mit ihnen nur für kurze Zeit die Sonne beobachten, etwa zum Scharfstellen der Kamera oder zum Verfolgen der Sonne.

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Chronofotografie

Die Chronofotografie oder Hochgeschwindigkeitsfotografie ist ein Teilgebiet der Fotografie, welches sich mit der fotografischen Aufnahme von schnellen Bewegungen beschäftigt, beispielsweise Bewegungen von Tieren und Menschen, einer Gewehrkugel im Moment des Einschlags, eines Ballons im Moment des Platzens. Ziel ist es, Bewegungen in mehreren Phasen „einzufrieren“, um sie für das träge menschliche Auge sichtbar zu machen.

Die Pioniere der Chronofotografie entwickelten erste Methoden, Serienaufnahmen zu machen, um die einzelnen Phasen von Bewegungen zu untersuchen. Eadweard Muybridge (eigentlich: Edward Muggeridge) gelang 1878 so der Nachweis, dass ein Pferd im Galopp kurzzeitig mit allen vier Hufen vom Boden abhebt. Diese frühen Serienaufnahmen lieferten wichtige Impulse für die Entwicklung der „bewegten Bilder“ des Kinofilms.

Durch die technische Entwicklung in der Kamera- Verschlusstechnik und bei Filmmaterialien haben sich die Möglichkeiten, schnelle Motive und ihre Bewegung mit handelsüblichen Kameras aufzunehmen, stark verbessert. Verschlusszeiten von 1/4000 Sekunde sind heute bei erschwinglichen analogen Spiegelreflexkameras durchaus üblich.

Bei noch kürzeren Belichtungszeiten wird von Kurzzeitfotografie gesprochen. Mit der Kurzzeitfotografie tritt man bei Filmmaterialien in Bereiche ein, in denen durch den Kurzzeiteffekt die Belichtung korrigiert werden muss.

Ein Luftgewehrgeschoss durchschlägt eine Glühlampe
Ein Luftgewehrgeschoss durchschlägt eine Glühlampe
 
So kurze Belichtungszeiten lassen sich realisieren, indem man bei geöffnetem Kameraverschluss in einem abgedunkelten Raum als einzige Lichtquelle ein Blitzgerät verwendet. Die kurze Leuchtdauer des Blitzes (typisch 1/1000 Sekunde bis 1/30.000 Sekunde) friert die Bewegung ein. Die korrekte Belichtung wird in diesem Fall durch eine Belichtungsreihe ermittelt.

Mit Hilfe eines Stroboskopblitzes lassen sich nach diesem Prinzip mehrere Bewegungsphasen in einer Aufnahme darstellen ( Mehrfachbelichtung).

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Dokumentarfotografie

Die Dokumentarfotografie ist eine Art des Fotografierens, deren Motivation es ist, ein fotografisches Dokument herzustellen, das für das Festhalten der Realität, als Zeit-Dokument, als Appell oder auch Warnung genutzt werden soll. Diese fotografischen Dokumente stellen dabei jedoch keine objektive, sondern eine subjektive oder ideologische Betrachtung zumeist mit sozialkritischem Hintergrund dar.

Der Begriff "Dokument" stammt von dem lateinischen Ausdruck documentum = beweisende Urkunde.

Der Begriff "Dokumentarfotografie" wird in Amerika der 30er Jahre im Zusammenhang mit der Großen Depression geprägt

Vorgeschichte

In der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts wird dem fotografischen Abbild zunächst von seiner Natur aus eine dokumentarische Funktion zugeschrieben. So fordert bereits das "British Journal of Photography" ein umfassendes Archiv mit Fotografien anzulegen und als Dokumente für spätere Generationen zu erhalten.

In diesem Rahmen finden die ersten Versuche der Dokumentarfotografie statt:

  • 1870 beginnt Jacob August Riis eine Fotoserie über die Armen von New York.
  • Edward Sheriff Curtis beginnt 1896 sein 20-bändiges fotografisches Werk über die Indianerstämme Nordamerikas, für das bis 1930 40.000 Negative entstanden.
  • Lewis W. Hine dokumentiert 1905 die Kinderarbeit in den USA, woraufhin diese gesetzlich verboten wird. Darin kündigt sich bereits die solzialkritische Gestalt der Dokumentarfotografie an.

Entstehung der Dokumentarfotografie als eigenständige Gattung

Durch die gesellschaftlichen Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise sieht sich die amerikanische Regierung unter Präsident Franklin Delano Roosevelt zu umfassende Sozialreformen, auch New Deal genannt, genötigt. In diesem Kontext wollte die Regierung die Bevölkerung Amerikas vor allem von der Notwendigkeit ihrer Maßnahmen überzeugen, um Unterstützung für ihre Politik zu gewinnen. 1935 werden deshalb von der Resettlement Administration Fotografen beauftragt, eine groß angelegte fotografische Dokumentation über das ländliche Leben in Amerika zu erstellen. Sie sollten die verarmte Landbevölkerung würdig und ästhetisch darstellen, jedoch keinesfalls künstlerisch. Diese neue Art von Fotografie wurde "Dokumentarfotografie" genannt, um sich von der künstlerischen Fotografie abzuspalten. Wesentliche Elemente der Dokumentarfotografie sind:

  • Das Aufzeigen von sozialen Missständen
  • Ästhetischer Charakter, der jedoch möglichst real und unkünstlerisch ist
  • Nicht das Dokumentieren eines Ereignisses, sondern das sozialer Gegebenheiten anhand mehrerer Fotografien in einer Fotoserie
  • Das Foto als Botschaft, die über den Text hinaus geht
  • Dokumentarfotografie meist mit politischem Hintergrund, mit dem Anspruch auf politischen Einfluss
  • Fotografieren als öffentlicher Charakter

Es entstand in diesem Zusammenhang also zum ersten Mal der Versuch einer offiziellen und organisierten Bewegung dokumentarischen Charakters. Bedeutende Fotografen jener Zeit sind unter anderem:

Dokumentarfotografie heutzutage

Die Dokumentarfotografie scheint heutzutage auf einem absteigendem Ast zu sein. Man begegnet ihren Fotos inzwischen häufiger in Museen denn in öffentlichen Zeitschriften. Dies hängt vor allem mit dem Wandel des öffentlichen Fotos von der Dokumentarfotografie zum Fotojournalismus zusammen. Die Bilder müssen immer aktueller sein, wodurch die erforderliche Dauer, die eine Fotoserien benötigt, zu lang erscheint. Und durch die Flut von Informationen, scheint es ökonomischer zu sein, möglichst viele Geschichten zu berichten, als einer Geschichte mehrere Seiten zu widmen und andere Informationen wegzulassen. Zudem kommt der Fakt, dass besonders politische Institutionen sich spätestens seit dem Vietnamkrieg dem Foto als Waffe bewusst sind. Das führt zu erschwerten Produktionsverhältnissen, bis hin zum embedded journalism, bei dem alle entstandenen Fotos zunächst von der Regierung gefiltert werden.

Gegenwärtige berühmte Dokumentarfotografen sind:

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Erotische Fotografie

Als erotische Fotografie bezeichnet man ein fotografisches Genre, das stilistisch zwischen Aktfotografie und Pornografie angesiedelt ist.

Zur erotischen Fotografie gehört die Darstellung des mehr oder weniger nackten menschlichen Körpers in einem sexuellen Bezug. Die Unterscheidung zur Pornografie ist subjektiv; diese steht stets im Spannungsfeld zwischen künstlerischer Freiheit, Ästhetik, Kitsch, Provokation und dem Verstoß gegen „die guten Sitten“.

Abgrenzungen

Pornografie

Ähnlich wie die Pornografie verfolgt die erotische Fotografie das Ziel, den Betrachter sexuell zu stimulieren und zu erregen. Anders als in der Pornografie bedient sie sich zum Aufbau der Erotik nicht unbedingt der expliziten Darstellung sexueller Handlungen, sondern verwendet meist nur Andeutungen dieser und erfüllt in der Regel höhere ästhetische Ansprüche.

Aktfotografie

Die Aktfotografie gilt, neben der Porträtfotografie, als hohe Schule der Fotografie. Neben technischen Fertigkeiten und einem gekonnten Umgang mit dem Licht als Gestaltungsmittel muss der Fotograf auch kommunikative Fähigkeiten mitbringen und eine positive Beziehung zu seinem Modell aufbauen können.

Die Grenzen zur erotischen Fotografie sind fließend, ein bestimmtes Foto lässt sich prinzipiell oft beiden Kategorien zuordnen. Auch ist der künstlerisch-ästhetische Anspruch oftmals auch bei der erotischen Fotografie gewahrt. Das Abgrenzungskriterium liegt vielmehr im dahinterstehenden Motiv: so wird, wie der Name offenbart, von der erotischen Fotografie ein erotischer Reiz vermittelt. Dies passiert zwar auch bei der Aktfotografie, wird von dieser jedoch nicht explizit angestrebt. Die Aktfotografie betrachtet die Formen des menschlichen Körpers eher als fotografisches Objekt, welches ähnlich einer Landschaft oder einer Szenerie in anderen Genres, zur künstlerischen Darstellung einlädt.

Geschichte_und_Entwicklung

Bis ins Jahr 1835, der Erfindung der Fotografie durch Louis Daguerre, war die bildliche erotische Darstellung ausschließlich auf Zeichnung und Malerei beschränkt. Zu dieser Zeit war die öffentliche Moral jedoch sehr prüde bezüglich der Darstellung nackter Personen, insbesondere wenn diese unter einem erotischen Vorzeichen stand. Auch die technische Entwicklung befand sich in den Kinderschuhen: sehr lange Belichtungszeiten waren nötig, welche das Ablichten von Personen schwierig machte. Die Reproduktion war nur durch Abfotografieren der Orginalvorlage möglich, was das Verfahren umständlich und teuer machte. Somit war eine Fotografie zu jener Zeit sehr kostbar und kein Massenmarkt vorhanden.

Im Jahr 1838 wurde die Stereofotografie erfunden, 1841 die Talbotypie. Diese Verfahren wurde einige Jahre später zur Marktreife entwickelt und ermöglichten der erotischen Fotografie einen ersten Aufschwung. In Frankreich wurden Postkarten mit nackten Frauen in erotischen Posen produziert, die zwar als Postkarten verkauft, deren eigentlicher Zweck jedoch nicht im Versenden per Post bestand, da dies auch verboten gewesen wäre. Das erste Magazin, welches erotische Fotos publizierte, war das französische La Beaute.

Im 20. Jahrhundert kam es zum Aufstieg der erotischen Fotografie. Während des zweiten Weltkrieges entstand das Phänomen der Pin-up Girls und erreichte ein breites Publikum. Die Darstellung war anfangs zwar noch auf nackte Beine in kurzen Röcken beschränkt, in den 1950er Jahren kamen auch öfter nackte Brüste hinzu. Die Zeitschrift Playboy, im Jahr 1953 gegründet, erreichte bald große Popularität und begründete den Markt der Männer- und Lifestylemagazine. Erotische Fotografie wurde bald eng mit dieser Zeitschrift verbunden und zunehmend in die Öffentlichkeit gerückt. Die 1965 gegründete Penthouse ging einen Schritt weiter als der Playboy, in dem erstmals deutlich sichtbar Genitalien dargestellt wurden, die damals allerdings mit Schamhaaren bedeckt waren. Auch schauten die Modelle in diesem Magazin in der Regel direkt in die Kamera, als ob sie in Beziehung zum meist männlichen Betrachter treten würden.

Die Verbreitung des Internet in den 1990er Jahren sowie die zunehmende gesellschaftliche Liberalisierung brachten der erotischen Fotografie einen erneuten Aufschwung. Es bildeten sich diverse Print- und Onlinepublikationen, die mittlerweile zu den "großen" Magazinen wie Playboy und Penthouse in Konkurrenz treten und die unterschiedlichsten Geschmäcker bedienen.

Einen interessanten Einblick bietet die erotische Fotografie in sich verändernde gesellschaftliche Schönheitsideale und Körpervorstellungen. So ergab eine Studie der York University in Ontario, dass die Playmate genannten Modelle des Playboy über die Jahre zunehmend schlanker wurden und heute mit einem BMI von durchschnittlich unter 18,1 untergewichtig sind. Auch im sogenannten Taille-Hüft-Verhältnis spiegeln sich diese Veränderungen wider.Eine weitere gesellschaftliche Veränderung, die durch die erotische Fotografie sichtbar gemacht und wohl teilweise auch verstärkt wurde, ist die zunehmende Verbreitung der Schamhaarentfernung. So finden sich auf erotischen Fotos der 1980er Jahre fast ausschließlich Frauen mit natürlicher Schambehaarung, die in den 90er Jahren in einen immer dünner werdenden Strich übergeht und heutzutage größtenteils völlig verschwunden ist.

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Ethnographische Fotografie

Als ethnographische oder auch anthropologische Fotografie bezeichnet man eine Anwendung der Fotografie zur Unterstützung oder Ergänzung ethnologischer oder anthropologischer Forschungen.

Geschichte und Entwicklung

Die Ursprünge der ethnografischen Fotografie finden sich in der Reisefotografie, die sich bereits in den ersten Jahren der Fotografie entwickelt:

„Die koloniale Durchdringung der überseeischen Welt und die neuen Verkehrsmittel setzten ab Mitte des vorigen Jahrhunderts verschiedene Reisende in den Stand, ihre wissenschaftlichen, geschäftlichen oder auch nur touristischen Reisen zu verwirklichen. Dabei gehörte für viele die fotografische Ausrüstung zum unverzichtbaren Bestandteil ihres Gepäcks“ (Thomas Theye: Der geraubte Schatten - Eine Weltreise im Spiegel der ethnographischen Photographie, 1989, S. 25).

Frühe anthropologische Fotografien finden sich bereits 1872 in Charles Darwins Buch The Expression of Emotion in Man and Animals, das einige Bilder von Oscar G. Rejlander enthält. Ebenfalls in diese Zeit fallen die zahlreichen Expeditionen zur Erkundung der westlichen Territorien der USA sowie des Nahen und Mittleren Ostens – also in die Region des heutigen Israels, Palästinas, Syriens und Ägyptens sowie des indischen Subkontinents – und der Kolonien; auf diesen Fernreisen wurden nicht nur die menschlichen Artefakte fotografisch festgehalten, sondern auch die Sitten und Gebräuche der (Ur-) Einwohner dokumentiert.

Beispielsweise fotografierte der Brite John Thomson Anfang der 1870er Jahre in Kambodscha, Malaya und China; er veröffentlichte eine Auswahl seiner Fotografien in dem vierbändigen Werk Illustrations of China and Its People (London 1873). In den USA fotografierte der Buchhändler Adam Clark Vroman zwischen 1895 und 1904 eine Dokumentation über die Indianer des amerikanischen Südwestens.

Als anspruchsvollste ethnographische Fotodokumentation der Jahrhundertwende gilt jedoch das Lebenswerk Edward S. Curtis′, der mit finanzieller Unterstützung des Bankiers John Pierpont Morgan die Monografie The North American Indian schuf, die aus jeweils zwanzig Text- und Bildbänden mit Fotogravüren besteht und zwischen 1907 und 1930 veröffentlicht wurde.

Gemeinsames Kennzeichen dieser frühen anthropologischen und ethnografischen Fotografie ist der Glaube an die Präzision und die unzweifelhafte Genauigkeit der Fotografie – Skepsis gegenüber dem Wahrheitsgehalt der Fotografie kommt erst später auf.

„Die Fülle an Abbildungen in wissenschaftlichen Berichten um die Jahrhundertwende steht in deutlichem Gegensatz zu heutigen ethnologischen Publikationen, in denen Beweise und Belege eher durch Diagramme, Kurven und statistische Zahlenangaben geliefert werden“ (Markus Schindlbeck: Die ethnographische Linse – Photographien aus dem Museum für Völkerkunde Berlin, 1989, S. 9).

Zu den neueren Vertretern einer kritischen ethnographischen Fotografie zählt beispielsweise Claude Lévi-Strauss, der seinen Bericht Traurige Tropen über die Indianervölker in Brasiliens Mato Grosso mit zahlreichen Fotografien illustrierte.

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Fotogramm

Unter Fotogramm versteht man die direkte Belichtung von lichtempfindlichen Materialien wie Film oder Fotopapier. Im Gegensatz zur Fotografie wird dabei keine Kamera benutzt.

Herstellung

Entstehung eines Fotogramms: Eine räumlich ausgedehnte Lichtquelle (1) beleuchtet Objekte (2 und 3) die direkt vor dem lichtempfindlichen Film platziert wurden. Je nach Entfernung der Objekte vom Film wird ihr Schatten härter (7) oder weicher (5) konturiert. Bereiche die völlig im Schatten liegen (6) werden nicht geschwärzt, Bereiche die voll belichtet werden (4) werden maximal geschwärzt.
Entstehung eines Fotogramms: Eine räumlich ausgedehnte Lichtquelle (1) beleuchtet Objekte (2 und 3) die direkt vor dem lichtempfindlichen Film platziert wurden. Je nach Entfernung der Objekte vom Film wird ihr Schatten härter (7) oder weicher (5) konturiert. Bereiche die völlig im Schatten liegen (6) werden nicht geschwärzt, Bereiche die voll belichtet werden (4) werden maximal geschwärzt.
 
Ein Fotogramm erzeugt man, indem man mehr oder weniger transparente Objekte (2 und 3) zwischen einen lichtempfindlichen Film, Fotopapier oder einen elektronischen Sensor und eine Lichtquelle (1) bringt und dann belichtet. Die räumliche Ausdehnung der Lichtquelle und der Abstand der Objekte vom Film bestimmen dabei die Konturierung des Schattens (4 bis 7). Arbeitet man mit mehreren Lichtquellen oder bewegt diese, sind weitere Effekte möglich.

Beispiele

Farbfotogramm von Zitronenscheiben und Tomatenpflanzen auf Cellophanpapier, Hintergrund: vergrößertes Papier im Negativhalter des Projektors.
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Farbfotogramm von Zitronenscheiben und Tomatenpflanzen auf Cellophanpapier, Hintergrund: vergrößertes Papier im Negativhalter des Projektors
 
Die Vorläufer des Fotogramms finden sich bereits in der Frühzeit der Fotografie. Der Fotopionier William Henry Fox Talbot hat bereits um 1840 erste Fotogramme hergestellt, indem er Schreibpapier mit Kochsalz und Silbernitratlösung tränkte, Gegenstände darauf legte und im Sonnenlicht belichtete. Die so erstandenen Fotogramme nannte er fotogenische Zeichnungen (englisch: Photogenic drawings), was „durch Licht entstandene Zeichnungen“ bedeutet.

Zur gleichen Zeit, ab 1839, entwickelte der Franzose Hippolyte Bayard seine „Dessins photogéniques“, Fotogramme von Pflanzen und gewebten Spitzen, der Amerikaner Mathew Carey Lea ab 1841 seine „Photogenic Drawings of Plants“ und Anna Atkins um 1850 ihre Fotogramme von Farnen und Federn. Ihr Ziel war die perfekte dokumentarische Abbildung der Natur.

Der deutsche Maler Christian Schad entwickelte ab 1918 in Zürich die von Ihm so genannten „Schadographien“. Man Ray veröffentlichte ab 1922 seine „Champs Délicieux“ in Paris. Er bezeichnete die Technik als „Rayographs“ und nutzte sie zur Umsetzung seiner dadaistischen und surrealistischen Vorstellungen.

Wichtigster Vertreter des Fotogramms in den 20er Jahren war der von 1923 bis 1928 lehrende Bauhausmeister Lászlo Moholy-Nagy (1895-1946), der die theoretische und experimentelle Grundlage für die Etablierung dieser damals neuen Kunstgattung schuf. In diesem Zusammenhang muss noch seine Heirat 1921 mit der Fotografin Lucia Moholy, geb. Schulz, erwähnt werden, der in Verbindung mit ihrem Mann eine wichtige Rolle zu Theorie und Praxis des Fotogramms zukommt. Neben Moholy-Nagy, Schad und Man Ray sollten auch El Lissitzky, Jaroslav Rössler, Luigi Veronesi, Kurt Schwitters und Ernst Schwitters, Piet Zwart, Raoul Hausmann, Edmund Kesting und Martha Hoepffner genannt werden, die bereits vor 1945 und teilweise auch danach als Fotogrammkünstler hervortraten.

Nach 1945 wurde das Fotogramm in Deutschland von „subjektiven“ und „experimentellen“ Fotografen wiederentdeckt. Zu nennen sind hier Otto Steinert und Schüler, Kilian Breier, Gunther Keusen, Peter Keetman, Heinz Hajek-Halke, Chargesheimer, Lotte Jacobi, Roger Humbert, René Mächler, Kurt Kranz, Timm Rautert, Gottfried Jäger, Karl Martin Holzhäuser und Floris Michael Neusüss. Ab 1963 erweiterte Floris M. Neusüss sein künstlerische Repertoire des Fotogramms um seine großformatigen Körperfotogramme, seine sogenannten Nudogramme; später bezog er Elemente der Fotomalaktion und des Chemigramms mit ein. Schüler von Prof. Neusüss aus Kassel, wie etwa Thomas Bachler, Natalie Ital und Tim Otto Roth, arbeiten heute innovativ mit dieser Technik weiter.

Ab 1968 entwickelten Gottfried Jäger, Hein Gravenhorst, Kilian Breier, Karl Martin Holzhäuser und Pierre Cordier das Konzept einer „Generativen Fotografie“, zu erwähnen sind hier neben Luminogrammen, Lochblendenstrukturen oder mechanisch optischen Untersuchungen auch Jägers Fotopapierarbeiten ab 1983 – konkrete Fotogrammedie die ureigensten Mittel des Mediums zu ihrem Gegenstand machen, ohne dabei ikonische oder symbolische Ziele zu verfolgen, ebenso Holzhäusers Lichtmalereien ab 1986, die er heutzutage wieder aufgreift und weiterentwickelt hat. Schüler von Prof. Jäger oder Prof. Holzhäuser aus Bielefeld, wie Ralf Filges, Hartwig Schwarz, Tom Heikaus oder Uwe Meise arbeiten heute innovativ mit dieser Technik weiter.

In den USA sind es vor allem Georgy Kepes (1906-2001), Nathan Lerner (1913-1997) und Arthur Siegel (1913-1979), alle Schüler des in die USA emigrierten Moholy Nagy am New Bauhaus in Chicago, die die klassische Linie der am Bauhaus entwickelten Sprache in ihren Fotogramm-Kompositionen um 1940 fortsetzten. Der 1961 in Großbritannien geborene Adam Fuss, der in New York lebt, soll zum Schluss hier noch als aktueller Künstler eine Erwähnung finden.

Konkrete Fotogramme

Der Begriff „Konkret“ – in der Fotografie wie beim Fotogramm – wird heute, mehr als 70 Jahre nach dem „Manifest“ Theo van Doesburgs bewusst auf die Fotografie angewendet. Auch sei auf Max Bill verwiesen. Angeregt durch den Sammler Peter C. Ruppert, dessen Sammlung „Konkrete Kunst“ in Europa nach 1945 im Museum im Kulturspeicher Würzburg seit 2002 zu sehen ist, erschien 2005 ein begleitendes Buch mit dem Titel „Konkrete Fotografie“. In der Ausstellung 2005 wurden besonders viele konkrete Fotogramme von Fotokünstlern ab 1916 bis heute gezeigt.

In der Geschichte der Fotografie gibt es um die Fotografie einige Begrifflichkeiten: Neben bekannteren Begriffen wie dokumentarische oder experimentelle Fotografie werden drei große Bereiche unterschieden:

  1. Abbilder (Feststellende Fotografie)
  2. Sinnbilder (Darstellende Fotografie) und
  3. Strukturbilder (Bilderzeugende Fotografie).

Gottfried Jäger definiert diese drei Bereiche wie folgt:

Zu 1: Abbilder, Feststellende Fotografie: gemeint ist die abbildende, berichtende, beweisende, dokumentierende, reproduzierende, gegenständliche, naturgetreue Fotografie, genannt auch direkte, feststellende Fotografie.

Zu 2: Sinnbilder, darstellende Fotografie: bezeichnet man als Realität interpretierende Fotografien, wie subjektive, beeindruckende, überzeugende, kommentierende, kritische, parteiliche, teilnehmende, engagierte, anklagende oder eingreifende Fotografien, etwa für künstlerische, werbliche oder propagandistische Zwecke – mit kommentierendem Charakter, der die Dinge so wendet, wie sie der Autor sieht oder betrachtet wissen will.

Zu 3: Strukturbilder, Bilderzeugende Fotografie: Schaffung neuer Bildstrukturen, Veranschaulichung abstrakter Ideen. Man spricht von schöpferischen, gestaltenden, formgebenden, konstruierenden, inszenierenden, experimentierenden, abstrakten, absoluten oder ungegenständlichen Fotografien. Man nennt diese Fotografie auch bildschaffende oder bilderzeugende Fotografie, deren Ergebnisse nennt man Strukturbilder.

Im Jahr 1989, zum 150. Geburtsjahr der Fotografie, zeigte die Kunsthalle Bielefeld die Ausstellung „Das Foto als autonomes Bild - experimentelle Gestaltung von 1839 bis 1989“. Thematisiert wurden Strukturbilder, die mit dem Oberbegriff „Autonome Bilder“ zusammengefasst wurden. Das autonome Bild findet in künstlerischer Praxis und Kunsttheorie des frühen 20. Jahrhunderts seine Definition: Dabei geht es nicht mehr um die Nachahmung oder nachahmende Idealisierung eines Naturvorbildes, sondern um vom Künstler frei erfundene Gestaltungsinhalte, zumeist abstrakt oder gegenstandsfrei genannt, dessen gegenständliche Darstellung neuen, eigenen bildnerischen Kriterien zugrunde liegt.

autonomes photogramm«positiv/negativ», ulli p., 1999
autonomes photogramm
«positiv/negativ», ulli p., 1999
Die bilderzeugenden - nicht abstrakten oder darstellenden Fotografien - die von Anfang der Geschichte der Fotografie zwar existierten, für die es aber keine einheitliche Begrifflichkeit bis 2005 gab, wurden 2005 im neuen Buch „Konkrete Fotografie“, begleitend zur Ausstellung in Würzburg, mit eben diesem Begriff neu zusammengefasst. Konkrete Fotografien sind in diesem Sinne nicht semantisches Medium, sondern ästhetisches Objekt, nicht Repräsentat, sondern Präsentat, nicht Reprodukt, sondern Produkt, wollen nichts abbilden, nichts darstellen: sie sind Objekte, die auf sich beruhen, eigenständig, authentisch, autonom, autogen - Fotografien der Fotografie. Konkrete Fotografien sind nicht Abstraktionen von Etwas, es sind reine Fotografien, die gegen elementare Voraussetzungen des Medium verstoßen, Regeln brechen, gegen den Apparat angehen.
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Fotomosaik

Ein Fotomosaik von einem Ballon.
 
Ein Fotomosaik ist ein Kunstwerk, bei dem die Bildpunkte eines Fotos aus einzelnen Bildern bestehen. Von Weitem betrachtet verschmelzen die kleinen Bilder zu einem großen Gesamtbild. Das Erstellen von Fotomosaiks ist mit Computerprogrammen möglich.

Um ein professionelles Fotomosaik zu erstellen, sind zahlreiche Aspekte zu beachten. Hauptsächlich gilt es, die Größe der Einzelbilder zu berücksichtigen. Soll ein Einzelbild aus dem Gesamtwerk noch gut und scharf erkennbar sein, sollte jedes Einzelbild mindestens einen Zentimeter groß sein. Gleichzeitig dürfen allerdings nicht zu wenig verschiedene Einzelbilder zur Verfügung stehen, damit das Hauptmotiv erkennbar bleibt.

Ein einfaches Rechenbeispiel. Bei einem typischen Fotoformat (4 zu 3) und einer Postergröße von zum Beispiel 60 x 45 cm ist die folgende Basisrechnung sinnvoll:

Es werden 60 x 60 Einzelbilder (= 3600 Einzelbilder) benötigt, um das Gesamtbild darzustellen. Dabei ist jedes Einzelbild mindestens einen Zentimeter groß, wenn man auch bei den Einzelbildern vom einem Bildverhältnis von 4 zu 3 ausgeht. Natürlich könnte man auch weniger Einzelbilder verwenden. Doch je weniger Einzelbilder verwendet werden, desto undeutlicher wird damit auch das Hauptmotiv. Eine DIN A4 Seite ist also ungeeignet für ein Fotomosaik. Bei dieser Bildgröße könnte man die Einzelbilder nicht mehr erkennen, da diese wesentlich kleiner als einen Zentimeter groß wären.

Bei professionellen Fotomosaiks ist zudem die Frage der Auflösung je nach späterer Verwendung in einer Druckerei wichtig. Damit spielt es von Anfang an eine Rolle, in welcher Auflösung die Einzelbilder vorliegen und wie groß letztlich das Endformat werden soll.
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Holografie

Unter Holografie fasst man Verfahren zusammen, die den Wellencharakter des Lichts ausnutzen, um anschauliche Darstellungen zu erzielen, die über die Möglichkeiten der klassischen Fotografie hinaus gehen. Neben räumlichen Darstellungen werden holografische Verfahren zunehmend auch in der Messtechnik eingesetzt.

Raumdarstellung

Bekannt sind vor allem Verfahren, die neben den bildlichen auch räumliche Eigenschaften eines abgelichteten Objekts in der Reproduktion sichtbar machen. Mittels Laserlicht wird dabei das gesamte Wellenfeld auf eine geeignete Fotoplatte abgebildet. Da das direkte Laserlicht mit dem vom Objekt reflektierten Laserlicht (auch) auf der Bildplatte überlagert wird und interferiert, enthält die holografische Bildplatte Informationen über Amplitude und Phase des vom Objekt kommenden Wellenfeldes und damit die Rauminformation über das Objekt - ein Hologramm ist entstanden.

Im Gegensatz zur Stereografie, welche nur Amplitudeninformationen speichert, (Aufzeichnung von räumlichen Bildern mit konventioneller Fotografie) wird dabei kohärentes Laserlicht verwendet, um die Interferenzmuster, die ein Objekt im Strahlengang erzeugt, auf einem fotografischen Film abzubilden.

Durchleuchtet man diese Bildplatte wieder mit monochromatischem Laserlicht der gleichen Wellenlänge, die bei der Aufnahme gewählt wurde, wird die ursprüngliche Wellenfront rekonstruiert. So erscheint nicht ein perspektivisches, sondern ein echtes dreidimensionales Bild des aufgezeichneten Objektes, da die gespeicherte Phaseninformation an einem jedem Bildpunkt Rückschlüsse auf die Laufzeit des Lichtes auf dem Weg vom Objekt zur Fotoplatte und damit die Oberflächenstruktur des Objekts ermöglicht. Verändert also ein Betrachter den Blickwinkel auf das Hologramm, so kann er weitere, zuvor verdeckte Teile des Objekts erkennen, was bei einer perspektivischen Zeichnung oder einem Bild nicht der Fall ist. Ein so entstandenes Abbild, manchmal aber auch die Fotoplatte selbst, wird als Hologramm bezeichnet.

Während bei einem herkömmlichen Bild ein einzelner Punkt auf dem Bild einen Punkt des abgelichteten Objekts wiedergibt, ist es bei der holografischen Platte so, dass jeder Punkt der holografischen Platte Informationen über das Objekt enthält. Schneidet man eine holografische Platte in zwei Stücke, so kann man in jeder der beiden Hälften (je nach Blickwinkel) noch das gesamte Objekt betrachten, lediglich der Winkelbereich, unter dem das Objekt betrachtet werden kann, nimmt ab. (Vergleich: Durch eine Hälfte eines doppelflügligen Fensters kann man immer noch die gesamte Außenansicht betrachten.)

Das Prinzip der Holografie wurde 1948 von dem ungarisch-britischen Physiker Dennis Gábor (1900-1979) entdeckt, der dafür 1971 den Nobelpreis für Physik erhielt.

Eine Variante von Hologrammen sind so genannte Weißlichthologramme, die auch ohne Laser betrachtet werden können. Da das Interferenzbild nicht mit Fotokopierern dupliziert werden kann, werden solche Hologramme oft als Fälschungssicherung auf Druckerzeugnissen verwendet (z. B. bei Banknoten).

Blick ins Holografiemuseum in Esens
 

Die historische Entwicklung

Die bekannteste Person in Verbindung mit der Holografie ist wohl der Physiker Dennis Gábor als „Erfinder“ der Holografie. Doch seine Entdeckung im Jahre 1947, die den Höhepunkt einer langen Entwicklung darstellte, sollte nicht dazu dienen, Objekte dreidimensional abzubilden, sondern das Auflösungsvermögen von Mikroskopen zu verbessern.

Bereits 1920 wollte der Physiker Mieczislav Wolfke die mikroskopische Abbildung in zwei Stufen unterteilen, indem man zuerst ein Zwischenbild mit Strahlen kurzer Wellenlänge (z. B. Röntgenstrahlen) erzeugt. In der zweiten Stufe sollte man das Zwischenbild mit normalem Licht betrachten können. Doch scheiterte diese Realisierung damals an experimentellen Schwierigkeiten. Erst Dennis Gábor konnte 28 Jahre später mit einem Modellversuch zur Realisierung des zweistufigen Abbildungsverfahrens unbewusst den Grundstein zur Holografie legen. Sein besonderes Verdienst bestand darin, gezeigt zu haben, wie die Information über die Phasen des Zwischenbilds durch Überlagerung der vom Objekt ausgehenden Welle und einer Referenzwelle auf direktem Weg gewonnen und fotografisch festgehalten werden konnte.

Gábor unternahm den Versuch, das Hologramm eines kleinen 2mm² großen Dias aufzunehmen. Darauf standen die Namen dreier Physiker: Christiaan Huygens, Thomas Young und Augustin Jean Fresnel. Jedoch waren seine damaligen Möglichkeiten beschränkt, denn er musste beispielsweise eine Quecksilberdampflampe als Lichtquelle verwenden. Dafür musste er jedoch mit Hilfe eines Farbfilters und einer Lochblende arbeiten, um die Kohärenz zu steigern, was wiederum einen enormen Intensitätsverlust zur Folge hatte. Seinen Aufnahme-Aufbau bezeichnet man als „In-line-Methode“, da sämtliche Elemente in einer Reihe aufgebaut werden. Dabei verwendete er auch nur einen einzigen Lichtstrahl. Er arbeitete noch ohne Referenz- und Objektwellen. Das von ihm verwendete Dia war mit Ausnahme der schwarzen Buchstaben transparent. Das Licht wird aber an den Buchstabenrändern gebeugt, der kohärente Hintergrund, der Interferenzen erst ermöglicht, stammt von den transparenten Bereichen.

Das Ergebnis war weniger befriedigend, da die drei Namen des Originals nur noch schlecht zu erkennen waren, und das Hologramm durch viele dunkle Flecken gestört wurde. Was ihn aber überraschte, war das Zustandekommen eines zweiten Bildes, das sich störend auf die Betrachtung auswirkte, da es sich mit dem eigentlichen Bild überlagerte. Dieses zweite Bild wird auch pseudoskopisches oder reelles Bild genannt, da es alle konkaven Wölbungen des Objekts konvex wiedergibt und umgekehrt alle konvexen Wölbungen konkav.

Nach dem Erscheinen seiner Forschungsarbeit 1949 und 1951 kehrte er diesem Gebiet der Forschung enttäuscht den Rücken, weil er selbst mit seinen Ergebnissen unzufrieden war.

Im Jahr 1959 erfuhr er überraschend, dass es den beiden Amerikanischen Wissenschaftlern Emmett Leith und Juris Upatnieks gelungen war, gute dreidimensionale Abbildungen von Objekten zu erzeugen, deren Herstellung zum größten Teil auf Gábors theoretischen Grundlagen beruhte. Sie führten das Zwei-Strahl-Verfahren ein, um das Problem des doppelten Bildes zu vermeiden. Nun konnte man das virtuelle Bild hinter dem Film getrennt vom reellen Bild vor dem Film begutachten. Als dann ein Jahr später der erste Laser von Theodore H. Maiman erfunden wurde (ein Rubinkristalllaser) und 1963 der He-Ne-Laser, begann die Renaissance der Holografie. 1963 wurden von E. Leith und J. Upatnjeks erfolgreich holografische Versuche durchgeführt. Schlagartig kam die Erfindung Gábors, für die zuvor keine Zukunft gesehen wurde, zu neuem Ansehen und zog die Interessen vor allem in den sechziger und siebziger Jahren auf sich.

1971 wurde Gábor für seine Entdeckungen mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet, 23 Jahre nach der Erfindung der Holografie. Und auch wenn Gábor selbst an einen Freund schrieb, er schäme sich fast, für eine so einfache Erfindung den Nobelpreis zu erhalten, ist das theoretische Prinzip doch ungewöhnlich und genial. In den Anwendungen der Forschung einerseits und auf dem Gebiet der Unterhaltung andererseits, stellt die Holografie auf jeden Fall eine große Bereicherung dar.

Chronologie

  • 1947 entwickelte Dennis Gábor das Prinzip der Holografie, ursprünglich mit der Intention, das Auflösungsvermögen von Elektronenmikroskopen zu verbessern. Zunächst war er auf die Verwendung gefilterter Lichtquellen angewiesen und arbeitete mit dem Prinzip der In-line-Holografie.
  • 1960 Erfindung des Lasers durch Theodore Maiman.
  • 1963 Verbesserung der Aufnahmetechniken durch Emmeth Leith und Juris Upatnieks durch Teilung der Aufnahmeanordnung in getrennten Objekt- und Referenzstrahl.
  • 1964 Produktion des ersten Hologramms durch Leith und Upatnieks ("Train and Bird").
  • 1965 Erfindung der Weißlichtholografie durch Juri Nikolajewitsch Denisjuk.
  • 1967 Durch einen Rubin-Laser wird das erste Hologramm einer Person möglich.
  • 1968 Stephen A. Benton erfindet die Regenbogen-Transmissionsholografie.
  • 1971 Verleihung des Nobelpreises für Physik an Dennis Gábor für die Erfindung der Holografie.

Physikalische Details

Aufnahme und Rekonstruktion

Bei der normalen Fotografie wird lediglich die Intensität des einfallenden Lichtes auf dem Film gespeichert. Bei der Farbfotografie nimmt man zusätzlich noch die Farbe, also die Frequenz des Lichtes auf.

Bei der Holografie wird nun die Phase und die Intensität gespeichert. Dies geschieht mit Hilfe der Interferenz. Um präzise Interferenzmuster zu erzeugen, verwendet man kohärentes Licht, in der Regel einen Laserstrahl, der mittels Streulinsen aufgeweitet wurde.

Beleuchtet man mit kohärentem Licht ein beliebiges Objekt, wird dieses reflektiert und gestreut. Es entsteht ein Wellenfeld, das wir mit unseren Augen wahrnehmen. Dieses Wellenfeld wird Objektwelle genannt. Die Objektwelle überlagert sich mit dem einfallenden, ungestreuten Licht (der so genannten Referenzwelle) desselben Lasers, d. h. die Wellenfronten interferieren miteinander. Die entstehenden Interferenzmuster treffen auf eine Glasplatte oder einen Film, auf der sich eine lichtempfindliche Schicht befindet. Die Schicht reagiert nur auf die Intensität des Lichtes, durch die Interferenz der Wellenfronten wird aber die relative Phase (zwischen Objekt- und Referenzwelle) aufgezeichnet.

Bild:Holographie-Aufzeichnung.png Bild:Holographie-Rekonstruktion.png
Entwickelt man nun den Film, so werden die belichteten Stellen schwarz, es gibt also ein Interferenzmuster von schwarzen Linien, dazwischen ist nichts aufgezeichnet, es ist also nur der durchsichtige Film zu sehen. Die Linien sind sehr nahe beieinander, ein normaler Fotofilm wäre nicht in der Lage, solch feine Strukturen aufzuzeichnen. Vom Auge sind sie nicht zu erkennen.

Bei der Rekonstruktion beleuchtet man die holografische Fotoplatte mit einer Welle, die mit der Referenzwelle identisch ist. Dabei wird das Licht am Interferenzmuster gebeugt und es entsteht die exakte Wellenfront der Objektwelle. Hinter dem Hologramm sieht man also den abgebildeten Gegenstand wie durch ein Fenster. Daher nennt man solche Hologramme auch Transmissions- oder Durchlichthologramme, weil Laser und Betrachter auf verschiedenen Seiten stehen.

Da auch das ganze Wellenfeld vor und hinter dem aufgezeichneten Objekt rekonstruiert wird, können unsere Augen das Abbild jeweils aus leicht verschiedenen Richtungen (Augenabstand) sehen. Das Gehirn ist dadurch in der Lage, einen räumlichen Eindruck herzustellen. Dieser wird dadurch weiter verstärkt, dass man sich sogar im Wellenfeld hin- und herbewegen und so den Gegenstand aus verschiedenen Richtungen und, in begrenztem Ausmaß, auch um ihn herum sehen kann.

Als Weiterführung der Aufnahmetechnologie kann die sogenannte „digitale Holografie“ (engl.: digital holography) bezeichnet werden. Hier wird der fotochemische Aufnahmeprozess durch eine hochauflösende elektro-optische Kamera ersetzt. Die Rekonstruktion des Bildes erfolgt danach digital, also durch numerische Rekonstruktion gemäß der Ausbreitungsgesetze des Lichts (Beugungstheorie). Unterschiedliche Vereinfachungen zur Beschleunigung des Berechnungsprozesses und Nachverarbeitungsschritte erlauben eine vollständige, dreidimensionale Rekonstruktion des Objekts. Dieses Verfahren wird häufig in der holografischen Mikroskopie eingesetzt.

Weißlichtholografie

Grundsätzlich werden alle Hologramme, die mit einer weißen Lichtquelle rekonstruiert werden können, „Weißlichthologramme“ genannt. Hierunter fällt das Denisjuk-Hologramm und das Regenbogenhologramm.

Weißlichthologramme fallen immer unter den Begriff der Reflexionsholografie, da nur durch dieses Prinzip ein Hologramm durch weißes Licht rekonstruiert werden kann. Dabei treffen Objekt- und Referenzstrahl von unterschiedlichen Seiten auf die Hologrammplatte. Das Objekt steht im Strahlengang nach der Hologrammplatte und reflektiert das Licht zurück auf die durchstrahlte Hologrammplatte. Dabei bilden sich stehende Wellen aus, an deren Knotenpunkten die Feldstärke der oszillierenden elektromagnetischen Wellen gleich null ist. Durch die Aufzeichnung dieser stehenden Wellen nicht nur als zweidimensionale Intensitätsverteilung auf der Fläche der Hologrammplatte, sondern auch als dreidimensionale Abfolge von Gittern, bildet sich eine laminare Struktur mit einem „Lamellenabstand“ von einer halben Wellenlänge aus.

Die Betrachtung von Reflexionshologrammen erfolgt genau aus der umgekehrten Richtung wie beispielsweise einem Seitenbandhologramm. Der Blick wird von der Seite auf das Hologramm gerichtet, von der zuvor die Referenzwelle auftraf. Dabei wirken die einzelnen Schichten bzw. Ebenen in der Tiefe der entwickelten Schicht, die hier ähnlich wie ein Kristallgitter funktionieren, wie ein Interferenzfilter in Reflexion. Das bedeutet in weiterer Folge, dass, entsprechend der Bragg-Bedingung  n \lambda = 2d \, \sin(\theta), von der Hologrammplatte näherungsweise monochromatisches Licht zurückgeworfen wird. Betrachtet man nun das Hologramm unter weißem Licht, so wird genau die Wellenlänge zurückgeworfen, bzw. das Hologramm erscheint in der Farbe, deren Wellenlänge bei dem Abstand der einzelnen Lamellen konstruktiv interferiert.

Denisjuk-Holografie

Bei der Denisjuk-Holografie (nach dem Erfinder Juri Nikolajewitsch Denisjuk) wird der Laserstrahl nicht vorher aufgeteilt, sondern trifft auf das Objekt (Referenzstrahl) und wird dann am Objekt reflektiert. Dadurch wird der Referenzstrahl zum Objektstrahl. Der reflektierte Strahl und der Referenzstrahl können somit interferieren. Die Interferenz ist eine stehende Welle, die im Inneren der Hologramm-Platte aufgenommen wird. Die Besonderheit dieser Holografieart ist, dass das Hologramm mit einer weißen Lichtquelle rekonstruiert werden kann.

Regenbogenholografie

Bei der Regenbogenholografie von Stephen A. Benton wird im ersten Schritt eine Kopie eines bereits vorhanden Hologramms erstellt. Vor das Masterhologramm wird ein Spalt aufgestellt, der die Rekonstruktion durch eine weiße Lichtquelle ermöglicht. Der Laserstrahl geht also zuerst durch den Spalt und trifft dann auf das Masterhologramm. Das rekonstruierte Hologramm interferiert nun mit einem zweiten Referenzstrahl, welcher dann auf einer neuen Holoplatte aufgenommen wird. Rekonstruiert man nun das Hologramm mit einer